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  Das Schachtickerteam befragt Cheforganisator Thomas Pähtz...
06.09.2014 von Klaus Steffan



Wie fällt Deine Bilanz für das 1. Erfurter Frauenschachfestival aus – es gab ja bereits zwei Veranstaltungen 2010 und 2012?

Zunächst, das Frauenschachfestival ist nicht mit den Turnieren von 2010 und 2012 vergleichbar, denn dieses Festival bestand ja aus gleich drei verschiedenen Wettbewerben – dem GM-Turnier, einem zusätzlichen für die Jugend sowie der Internationalen Offenen Deutschen Meisterschaft. Überhaupt stellte sowohl das GM-Turnier von der Spielstärke her als auch das Juniorinnenturnier meines Wissens nach ein Novum in Deutschland (womöglich in Europa) dar.
Wir haben von den Spielerinnen durchweg ein positives Feedback bekommen. Und auch ich persönlich ziehe für diese Premiere insgesamt eine positive Bilanz. Es ist uns gelungen, in diesem Festival sowohl Spitzen- als auch Breitenschach zu verbinden, daneben aktive Nachwuchsförderung zu betreiben und dabei eine offensive Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Damit haben wir sicherlich dem Schachsport im Allgemeinen und dem Frauenschach im Besonderen einen wertvollen Dienst erwiesen. In einer für unsere Sportart derzeit kritischen Phase kann sicher auch unser Beitrag ein positives Signal setzen.

Wie bist Du mit der Resonanz vor Ort und in der öffentlichen Wahrnehmung zufrieden, immerhin gab es ein ganzes Festival für Frauen, mit Großmeisterinnen- und Juniorinnenturnier sowie Deutscher Meisterschaft noch nie?

Die Resonanz der Schachfreunde und auch der Medien war überwältigend. Allein auf unserer Homepage hatten wir bei den täglichen Übertragungen im Schnitt 1500 Besucher. Darüber hinaus haben auch unsere Partner „Schachticker“ und „Chessbase“ die Partien des Schachfestivals zeitnah übertragen und damit einem noch breiteren Publikum zugänglich gemacht. Die „Thüringer Allgemeine“ berichtete täglich thüringenweit über das Festival. Auch lokale und regionale Fernsehsender haben es thematisiert. Gut angenommen wurden die Live-Kommentare vom Erfurter Großmeister Thomas Luther, denen jeden Tag rund zwei Dutzend Zuschauer in der Hotellobby folgten. Zudem gab es im Erfurter Stadtzentrum und in der Einkaufsgalerie Anger 1 zwei besondere Highlights am Rande – eine Lebendschach-Vorführung des Ströbecker Schachensembles sowie ein Blitzturnier der Meisterinnen. Beides zog viele Zuschauer an.

Es gab ja bereits Monate vor Festivalbeginn eine Webseite des Veranstalters, wo u.a. alle Teilnehmerinnen des Großmeister- und Juniorinnenturniers vorgestellt worden sind. Wie hat sich diese Online-Schiene bewährt?

Bereits im Vorfeld hatten wir wöchentlich weit über 1000 Zugriffe auf unsere Seite zu verzeichnen. Auf diese Weise haben wir auch international das Festival bekannt machen können. Besonderer Dank an den Schach-Ticker, der von Anfang an unser Festival beworben hat und die Teilnehmerinnen ebenfalls porträtierte und vorstellte. Nicht nachvollziehbar ist für mich dagegen, dass das neue Portal chess24 keinerlei Notiz von dem Festival nahm.

Das Großmeisterturnier war sicherlich das Highlight. Wie hat das Org-Team es geschafft, eine so gute Besetzung zusammen zu bekommen?
Frauenschach in Deutschland – das geht nicht ohne Deine Tochter Elisabeth. Wie war sie in die Turniervorbereitung eingebunden?


Ohne Elisabeth wäre das nicht möglich gewesen. Sie hat alle ausländischen Spielerinnen, auch für das Juniorinnenturnier, persönlich angefragt und eingeladen. Wir wollten als besondere Attraktion für das GM-Turnier ein Teilnehmerinnenfeld zusammenstellen, bei dem eine männliche GM-Norm möglich ist. Angesichts der Vielfalt der internationalen Veranstaltungen im August war das kein einfaches Unterfangen.

DSB-Präsident Herbert Bastian hat Dir persönlich für die Organisation großen Respekt gezollt? Hatten Du und Dein Team irgendwann einmal Zweifel, dieses Projekt nicht wie gewünscht zu stemmen?

Zweifel hat man bei einem solchen Großprojekt immer. Zumal wir als Förderverein mit der Organisation noch keine Erfahrungen besaßen.

Ein Blick auf die Sponsorenliste zeigt, dass Erfurt in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt gewesen ist. Was ist das Geheimnis, potenzielle Förderer für eine solche Veranstaltung, die es bis dahin in Deutschland nicht gegeben hat, zu gewinnen?

Der Bekanntheitsgrad von Elisabeth speziell in Thüringen ist enorm groß. In der Thüringer Allgemeine betreut sie seit fast 15 Jahren eine Schach-Kolumne, zudem ist sie bei öffentlichen Veranstaltungen und Diskussionsrunden aufgetreten. Das hat uns bei der Vorbereitung manche Tür geöffnet. Des Weiteren habe ich viel Unterstützung von meinen Freunden und Bekannten erfahren. Mein besonderer Dank gilt dem Landessportbund, der voll hinter unserem Projekt stand und immer wieder betont hat, dass Schach in Thüringen Sport ist. Auch der Badische Schachverband, für den Elisabeth in der Herrenbundesliga spielt und sich als Botschafterin für den weiblichen Nachwuchs engagiert, hat unser Festival gefördert. Und nebenbei: Auch wenn dies aus der Liste der Förderer so nicht erkennbar ist, gab es auch herbe Enttäuschungen. So bin ich auf der Suche nach Unterstützung - zu einem Zeitpunkt als die Finanzierung noch völlig offen war - von einigen bekannten Mäzenen der deutschen Schachszene unvermittelt abgewiesen worden. Das stimmt mich nachdenklich, denn diese Herren sind in den letzten Jahren bei der Förderung des männlichen Spitzenschachs massiv in Erscheinung getreten.

[Interessant ist, dass sich der Thüringische Justizminister Dr. Holger Poppenhäger für Euer Projekt engagiert hat. Was hatte er für Gründe, sogar die Schirmherrschaft zu übernehmen?

Minister Poppenhäger ist sozusagen ein Mann der ersten Stunde. Als er vor fünf Jahren von der Idee eines Erfurter Turniers erfuhr, hat er sofort seine Hilfe angeboten. Dank ihm kam es 2010 zum ersten Frauenturnier. Seitdem ist er uns ein verlässlicher Partner.

Das Juniorinnenturnier wurde von der Deutschen Bahn gefördert. Wie ist die Zusammenarbeit mit diesem Partner zustande gekommen und welche Erwartungen an den Ausrichter gab es von ihm?

Kennengelernt habe ich Dr. Lutz vor zwei Jahren bei den Schachevents im Potsdamer Kaiserbahnhof. Schon damals hatte sich Dr. Lutz insbesondere für die Förderung des Nachwuchses stark gemacht, so dass es nahe lag, ihn auf unser Festival anzusprechen. Er zögerte nicht, unser Projekt Juniorinnenturnier zu unterstützen, das bis dahin wegen fehlender Geldmittel auf unsicheren Füßen stand.

Bei der feierlichen Eröffnung sagte Dr. Richard Lutz, Finanzvorstand der Deutschen Bahn AG Berlin: „Jungen Frauen eine Chance zu geben – dieser Philosophie folgen wir auch bei der Deutschen Bahn AG ganz bewusst. Ein Unternehmen mit Frauen in Verantwortung, in den Vorstandsetagen und in kleinen Teams, ist erfolgreicher – weil es eine komplexere Sicht auf die Dinge erlaubt, Themen umfassender diskutiert.“

[Wie hat es sich bewährt, dass Du mit Deinen Mitstreitern im Vorfeld einen Schach-Förderverein für die Organisation des Frauenschachfestivals neu gegründet hat?

Es ist zweifellos sinnvoll, bei einem solchen Großprojekt vor Ort einen Verein zu haben, bei dem alle organisatorischen Fäden zusammenlaufen.

Der DSB hat ja seit der Wahl von Herbert Bastian zum Präsidenten im Juni 2011 einen Schwerpunkt in der verstärkten Gewinnung von Mädchen und Frauen für das Schach ausgemacht. Wie betrachtest Du aus Deiner Sicht die Entwicklung?

Das ist ein erster wichtiger Schritt nach vorn. Herbert Bastian stand persönlich unserer Idee von Anfang an positiv gegenüber.

Welche konkrete Unterstützung gab es für das Frauenschachfestival vom DSB?

Ehrlich gesagt, hatten wir auf eine größere finanzielle Unterstützung gehofft. Einen Zuschuss von 2000 Euro halte ich für eine Veranstaltung dieser Größenordnung für zu gering. Andererseits entspricht es der allgemeinen Wahrnehmung des Frauenschachs im Verhältnis zum Männerschach, wo für vergleichbare Turniere ein Vielfaches zur Verfügung gestellt wird.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat uns der DSB auf seiner Homepage integriert und das Festival beworben. Enttäuscht hat mich die DSJ, die zwar auf dem Papier viel für das Mädchenschach tut, aber leider nicht auf uns zukam, um gemeinsam für das Turnier zu werben. Persönliche Differenzen mit uns als Familie haben eine Zusammenarbeit im Sinne des Frauenschachs schlichtweg verhindert. So durfte Elisabeth etwa bei der Jugendmeisterschaft in Magdeburg nicht für das Festival werben.

[Als Gast beim Festival wurde von Dir auch der Präsident des Landessportbundes Peter Gösel begrüßt, der nachdrücklich betont hat, dass in Thüringen Schach Sport ist. Welchen Eindruck hatte er von der Veranstaltung?

Peter Gösel zeigte sich sehr interessiert. Er ist Hobbyschachspieler, er war von der Atmosphäre ohne Frage beeindruckt. Ich kenne ihn schon seit vielen Jahren. Er war damals bei der Auszeichnung meines Vereins Empor Erfurt mit dem grünen Band für vorbildliche Nachwuchsarbeit vor Ort.

Wie würdest Du das sportliche Niveau des Festival einschätzen?

Auch wenn es sicher kein Grand-Prix war, haben wir doch Partien gesehen, die sich im weitesten Sinne auf Weltspitzenniveau bewegten. Es war ein kämpferisches Turnier, nur rund ein Viertel aller Partien endete remis. Für die Zuschauer ist das fraglos attraktiver als ein Männerturnier, wo es mitunter bis zu 80 Prozent Unentschieden gibt. Besonders angetan war ich vom Kampfgeist der Juniorinnen, die oftmals die letzten im Spielsaal waren.

Und welches Echo hast Du von den Spielerinnen erhalten, die immerhin einschließlich des Gastgeberlandes aus zehn Nationen kamen?

Bislang durchweg positive Rückmeldungen. Hinweise der Spielerinnen zur Bedenkzeit und unterschiedlichen Spielzeiten werden wir für die Zukunft gewissenhaft prüfen und berücksichtigen.

[Die dritte Säule der Veranstaltung sollte die Internationale Offene Deutsche Fraueneinzelmeisterschaft sein. Woran hat es gelegen, dass nur 24 Teilnehmerinnen dabei gewesen sind – Du hattest ja 40 als Ziel vorgegeben?

Das hat uns natürlich schon enttäuscht, weil ich in der Tat mit rund 50 Teilnehmerinnen gerechnet habe, was wohl auch der vielen Werbung entsprochen hätte, die wir für dieses Turnier gemacht haben. Neben zahlreichen Annoncen in Schachzeitungen habe ich persönlich bei der Deutschen Jugendmeisterschaft und der Deutschen Frauen- Ländermeisterschaft für unser Festival und speziell die Offene Meisterschaft geworben. Ein besonders herber und letztlich unerklärlicher Schlag war für mich die Tatsache, dass von 35 Starterinnen am Vorabend des Turnierbeginns nur 24 noch bei Turnierstart übrig waren.

Wird es eine Neuauflage geben?

Einige unserer Sponsoren und Partner haben bereits ihre Unterstützung für eine zweite Auflage des Festivals signalisiert. Der zuvor bereits eingeschlagene Zwei-Jahres-Rhythmus hat sich aus unserer Sicht bewährt und sollte auch für das Festival so beibehalten werden. Voraussetzung dafür ist aus meiner Sicht aber, dass sich der DSB insbesondere in finanzieller Hinsicht stärker einbringt. Man muss realistischer Weise davon ausgehen, dass bei einer Neuauflage nicht wieder so viele Kleinspender gewonnen werden können.

[Das Großmeisterturnier hat deutlich bewiesen: Elisabeth ist klar Deutschlands Nummer 1 und gehört ganz sicherlich weiterhin zur erweiterten "Weltklasse". Wie bewertest Du die Leistung Deiner Tochter?

Elisabeth selbst und ich auch bin mit ihrer Leistung - 5,5 aus 9 und als einzige Spielerin ungeschlagen - sehr zufrieden. Sie war ja nicht nur im Vorfeld stark in die Organisation eingebunden, sondern hat sich auch während des Turniers sehr um die ausländischen Gäste gekümmert.

Das Schach-Ticker Team bedankt sich für das Gespräch


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