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  Der Erfurter Großmeister Thomas Pähtz wird 60 – Interview
07.09.2016 von Klaus Steffan

Der Erfurter Großmeister wird 60 – Interview wurde geführt von Axel Eger...

Thomas Pähtz, Großmeister seit 1992, war gesamtdeutscher Meister und dreifacher Einzelmeister der DDR. Er galt als Naturtalent, gewann Schüler- und Jugendmeisterschaft der DDR und kam bei seiner ersten Männermeisterschaft 1974 als 17-Jähriger auf Anhieb auf Platz sechs. Später machte er sich als Trainer und jüngst auch als Turnierorganisator einen Namen. Tochter Elisabeth veredelte den Familiennamen mit zwei Weltmeistertiteln. Am 4. September feiert der Erfurter, der heute nur noch in der Thüringenliga spielt, seinen 60. Geburtstag.

Herzliche Gratulation! Wenn sie einen Geburtstagswunsch frei hätten, dann…

… würde ich gern mit meiner hoffentlich bald wieder komplett gesund gewordenen Frau Anna, die mir in all den Jahren immer den Rücken freigehalten hat, ein paar ruhige Urlaubstage genießen. Gern irgendwo im Warmen.

Ihre lange sportliche Karriere verlief gewissermaßen dreigeteilt – sie waren Spieler, waren und sind Trainer und neuerdings auch Organisator. Welche Epoche war die schönste?
Jede hatte ihre ganz eigenen Reize. Die erste, leistungssportliche, endete ja schon 1993. Damals belegte ich bei meiner einzigen gesamtdeutschen Meisterschaft gemeinsam mit Thomas Luther den ersten Platz. Zwei Erfurter holten den Titel, keine schlechte Pointe. Zu den Erfolgen als Spieler zählen natürlich auch die drei DDR-Meistertitel 1987, 1988 und 1990. Letzterer mit dem historischen Zusatz des letzten Meistertitels der DDR. Und noch eine Besonderheit lässt mich im Rückblick schmunzeln: Alle meine Championatsgewinne habe ich geteilt. Es hat leider nie zum alleinigen Sieg gereicht. Also: So gut war ich dann wohl doch nicht …

Was waren die Höhepunkte Ihrer Trainerlaufbahn?

Natürlich die beiden Weltmeistertitel von Elisabeth 2002 und 2005. Wenn man diese Krönung miterleben darf, macht das stolz – als Trainer und als Vater. Aber auch die deutschen Meisterschaften mit Empor Erfurt und die vielen nationalen Titelgewinne, die neben Elisabeth und Thomas junior aus unserer Trainingsgruppe auch Thomas Hänsel und Ferenc Langheinrich in den 90er Jahren holten, erfüllen mich mit Genugtuung. Ferenc Langheinrich bleibt für mich der talentierteste meiner Schüler. Er wurde damals starker Vierter der U12-Europameisterschaft, wo die späteren Weltklassespieler Levon Aronian und Ruslan Ponomarjow zu seinen Gegner zählten. Ich erinnere mich noch, gegen Ponomarjow spielte er remis, gegen Aronian konnte er sogar im Schnellschach gewinnen.

Wie kamen diese erstaunlichen Leistungen, die sich erst im Rückblick mit dem Maßstab der namhaften Gegnerschaft so richtig einordnen lassen, zustande?

Das war, wenn man so will, meine Prinzengruppe. Zum einen war sicher das Talent da. Zum anderen haben die Mädels und Jungs sehr diszipliniert gearbeitet, auch die Eltern zogen da alle mit an einem Strang. Dabei erlebten wir gerade in den 90er Jahren im deutschen Nachwuchsschach ein Jahrzehnt des Stillstands – zumindest was die Unterstützung durch die Deutsche Schachjugend anging. Die professionellen Strukturen, die mit Beginn der 2000er Jahre einzogen, als der Deutsche Schachbund das Patronat der Leistungsförderung der Talente übernahm, gab es damals noch nicht. Auch deshalb habe ich selbst die Initiative ergriffen.

Sie haben ihre schachliche Karriere als Spieler mit Mitte 30 zugunsten der Trainerlaufbahn aufgegeben. Würden Sie sich heute noch einmal so entscheiden?

Ja, denn es gibt nichts Dankbareres. Damals spürte ich, dass meine Kinder, die ihre ersten erfolgreichen kleinen Schritte auf dem Schachbrett unternommen haben, meine Hilfe brauchten. Das war gewissermaßen mein Einstieg, dem viele schöne Erlebnisse und Erfolge mit anderen Schülerinnen und Schülern folgten, die auch mich als Schachspieler und Mensch bereichert haben. Schade finde ich nur, dass viele gute deutsche Trainer nicht in Deutschland arbeiten, sondern ihr exzellentes Wissen im Ausland vermitteln. Ich denke nur an Artur Jussupow, der die Schweizer Auswahl betreut. Da geht es dem Schach wie so vielen olympischen Sportarten, wo das hiesige Knowhow anderswo zur Geltung kommt.

Welche Gründe könnte das haben?

Vielleicht den, dass ein Schachtrainer in Deutschland im Prinzip weniger Ansehen und Auskommen hat als ein Schiedsrichter.

Das war aber nicht der Grund, weshalb Sie inzwischen auch zu den Turnierorganisatoren gewechselt sind?

Nein, natürlich nicht. Zum einen wollte ich dem Nachwuchs etwas bieten. Eines meiner Lieblingsprojekte war der „Daberstedter Herbst“, ein wunderbares kleines Turnier für junge Talente in meiner Heimatstadt Erfurt, das ich ebenso zehn Jahre lang durchführte wie den Grömitzer Sommer, ein Jugendturnier mit parallelem Trainingslager. Schach und Ferien an der Ostsee, eine schöne Mischung. Doch das größte Projekt kam ja erst vor zwei Jahren…

… mit dem Frauenschachfestival in Erfurt?

Genau. Auch hier war meine Intention, einer in Deutschland etwas vernachlässigten Spezies – den Schach spielenden Frauen – eine attraktive Wettkampfmöglichkeit zu bieten. Das hat unser Erfurter Schachförderverein mit mir innerhalb eines halben Jahres auf die Beine gestellt. Ohne große Erfahrung, aber mit einigen schlaflosen Nächten. Dank der regionalen und überregionalen Sponsoren von Sparkasse Mittelthüringen, Deutscher Bahn, UKA Meißen und Deutschem Schachbund wurde die Sache ein großer Erfolg. Wir haben gewissermaßen den Festival-Faden aufgegriffen, den Dirk Jordan in Dresden seit zwei Jahrzehnten zieht, aber mit einer Thüringer Note. Inzwischen steht fest, dass 2017 Ende Juli/Anfang August in Erfurt die zweite Auflage des Frauenfestivals steigen wird: mit einem Weltmeisterinnenmatch zwischen Alexandra Kosteniuk und Elisabeth, einem Frauengroßmeisterturnier und dazu als Rahmenturniere die Deutschen Blitzschach- und Schnellschachmeisterschaften.

Neben all ihren Verpflichtungen und Ambitionen rund um das Schachbrett – welche schachlichen Ziele hegen Sie selbst noch?

Schön wäre es, mit der Thüringer Mannschaft eine Medaille bei der Senioren-WM zu gewinnen. Aber eigentlich liegen meine Wünsche mehr an einem anderen Brett.

An welchem?

Ich wünsche mir, dass Elisabeth noch den Titel des Männer-Großmeisters erreicht. In den vergangenen ein, zwei Jahren spüre ich bei ihr einen frischen Rückenwind. Ein Rückenwind, den unzweifelhaft der neue Bundestrainer Dorian Rogozenco entfacht hat. Hier schließt sich auch für mich ein Kreis. Denn Rogozenco beweist, welch ungeheure Motivation ein leidenschaftlicher Trainer in einem Spieler erzeugen kann. Einen schöneren Lohn kann es nicht geben.

Gespräch: Axel Eger


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