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  Schach der Dame: Erfurt plant ein Festival nur für Frauen - Interview mit Elisabeth und der "Thüringer Allgemeinen"
29.01.2014 von Klaus Steffan

von Axel Eger

Im Spätsommer, vom 24. bis 31. August, findet in Erfurt das 1. Internationale Frauenschachfestival statt. Nach zwei Turnieren in den Jahren 2010 und 2012 soll in Thüringen nun etwas Großes für die Frauen auf die Beine gestellt werden.
Macht eine gute Figur am und neben dem Brett: Die 29-jährige Thüringer Schach-Großmeisterin Elisabeth Pähtz hofft beim Erfurter Frauenschachfestival auf eine starke Konkurrenz
In die Vorbereitung einbezogen ist auch Deutschlands Nummer 1, Elisabeth Pähtz, für die das Turnier sogar eine Premiere parat hielte. Wir sprachen mit der 29-Jährigen über Erfurt, Wijk und persönliche Pläne.

Internationales Erfurter Frauenschachfestival - was verbirgt sich dahinter?
Das Festival soll drei Turniere umfassen: ein Großmeisterturnier mit zehn Teilnehmerinnen, die Internationale Offene Deutsche Frauen-Meisterschaft und ein Juniorinnenturnier mit zehn Teilnehmerinnen. Mit diesem Spektrum bieten wir den Aktiven und den Zuschauern praktisch alles: die Spitze, eine Meisterschaft in guter Breite und den besten Nachwuchs.

Wie kam es zustande?
Die Wurzeln liegen im Jahr 2009. Die Idee dazu war am Rande eines Simultanturniers der "Thüringer Allgemeine" im Radisson Blu-Hotel entstanden. Ich hatte damals den Wunsch geäußert, einmal bei einem Turnier in meiner Heimatstadt spielen zu können. Dank der Unterstützung des Thüringer Justizministers Holger Poppenhäger (SPD) und des Hoteldirektors Lutwin Wehr konnte dieser Gedanke bereits nach einem Jahr erstmals realisiert werden - leider zunächst ohne mich.

Warum?
Das erste Turnier war, budgetbedingt, vom Elo-Schnitt für den Nachwuchs attraktiv, aber nicht unbedingt für die Spielerinnen der Nationalmannschaft. Beim zweiten im Jahr 2012 stimmten letztlich Konditionen und Abmachungen nicht.

Was ist nun anders?
Ich hatte am Rande einer Gesprächsrunde Kontakt mit Dieter Bauhaus, dem Vorstandschef der Sparkasse Mittelthüringen. Dank seines Einsatzes und der erneuten Unterstützung durch das Radisson-Hotel sollte am Ende ein größeres Budget zur Verfügung stehen - auch wenn wir noch weitere Sponsoren suchen. Vielleicht können wir in Erfurt eine Tradition im Frauenschach begründen, die einmal an das heranreicht, was Dortmund im Männerschach ist.

Sie sind selbst in die Organisation eingebunden, was wird Ihre Aufgabe sein?
Ich kümmere mich vor allem um das Großmeisterinnenturnier, führe Gespräche mit potenziellen Teilnehmerinnen, knüpfe Kontakte. Ansonsten liegt die Organisation in den Händen eines neugegründeten Schach-Fördervereins.

Welche anderen Turniere werden Sie bis dahin spielen?
Ende Januar steht das Open in Gibraltar an. Ab 22. Februar sitze ich in Cannes an den Brettern und im April bin ich voraussichtlich bei der Schnellschach- und Blitz-WM in Khanty Mansijsk dabei. Zwischendurch möchte ich mich weiter für das Projekt "Chess for Africa" engagieren. Ich war ja bereits im vergangenen September in Südafrika. Damals hatten wir dort die Ausbildung von Schach-Lehrern unterstützt. Nun wollen wir bei der Herstellung und Bereitstellung von Spielmaterial aus einfachsten Mitteln helfen. Damit soll erreicht werden, dass möglichst viele Kinder ganz schnell in den Genuss von Schach-Unterricht kommen.

hr Ziel für Erfurt?
Nachdem ich vorvorige Saison in der Bundesliga die erste Männer-GM-Norm geholt habe, würde ich gern den nächsten Schritt auf diesem Wege tun. Zweimal muss ich die Norm noch erfüllen

Das Traditionsturnier in Wijk aan Zee/Niederlande ist zu Ende gegangen. Ihr Kommentar zum einzigen Deutschen, Arkadij Naiditsch?
Auch wenn es mit zwei Siegen noch ein versöhnliches Ende für ihn gab: Vielleicht hatte er seine Erwartungen einfach etwas zu hoch geschraubt und versuchte es manchmal zu sehr mit der Brechstange. Sein Problem ist, dass er eben nicht jedes Jahr solch ein starkes Turnier spielen kann. Das ist aber irgendwie ein deutsches Problem. Hier hat er wenig echte Herausforderungen. Und mit Wildcards für den Weltcup etwa werden die Deutschen auch nicht gerade verwöhnt. Die gibt man dann lieber den Chinesen oder Russen.

Sie haben selbst vor zwei Jahren in Wijk gespielt. Wären Sie gern noch einmal dabei?
Unbedingt. Das ist ein wunderschönes Turnier mit einem tollen Ambiente. Leider gab's in diesem Jahr keine C-Gruppe mehr. Das zeigt, dass selbst solch ein Traditionswettbewerb für die Organisatoren stets aufs Neue eine Herausforderung ist.

Wann haben Sie eigentlich zuletzt bei einem Turnier in Erfurt gespielt?
Oh, das ist lange her. Vor vielen, vielen Jahren beim Jugendopen im Herbst. Aber da war ich wirklich noch ein Kind. Sonst noch nie. Es wird also Zeit!


Link zum Zeitungsbericht


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