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Samstag, 18. November 2017
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  Interview der Thüringer Allgemeinen mit dem Bahnchef Dr. Richard Lutz
28.07.2017 von Klaus Steffan

Von Axel Eger und Bernd Jentsch

Berlin. Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr bei Umsatz und Gewinn deutlich zugelegt und verzeichnet im Fernverkehr mit fast 70 Millionen beförderten Personen so viele Fahrgäste wie noch nie. Wir sprachen mit Vorstandschef Richard Lutz zu den Perspektiven in Thüringen.

Herr Lutz, in Ihrem Halbjahresbericht konnten Sie ein positives Geschäftsergebnis verkünden. Was sind die Gründe dafür, dass die Bahn wieder auf dem Erfolgsgleis fährt?
Wir haben unser Konzernprogramm "Zukunft Bahn" unter das Motto gestellt: mehr Qualität, mehr Kunden, mehr Erfolg. Die Geschäftsentwicklung zeigt, dass diese Formel funktioniert. Höhere Pünktlichkeit und besserer Service führen zu mehr und zufriedeneren Kunden und das wiederum zu höheren Umsätzen und Ergebnissen. Wir haben gegenüber dem Vorjahreszeitraum beim Umsatz um 5,2 Prozent zugelegt, beim Ergebnis sogar um 17,1 Prozent. Dank dieser guten Ergebnisse haben wir die Umsatz- und Gewinnprognose für 2017 jetzt angehoben.
Nach Inbetriebnahme der Neubaustrecke Leipzig/Halle -Erfurt stieg die Zahl der Fahrgäste in den ICE spürbar an. Rechnen Sie mit einer vergleichbaren Entwicklung auf der Relation Erfurt-Nürnberg/München und wenn ja, in welcher Größenordnung?
Diese äußerst erfreuliche Entwicklung nach Inbetriebnahme des ersten Abschnitts macht uns zuversichtlich, dass sich die Zahl der Reisenden auf dem neuen Abschnitt Erfurt-Nürnberg verdoppeln könnte.


Knapp zwei Stunden benötigt ein ICE von Erfurt nach Berlin, rund vier nach München. Hat die Bahn den Wettbewerb gegen Fernbus, Flugzeug und Auto schon gewonnen?
Nein. Wir wollen und müssen jeden Tag aufs Neue die Kunden bei der Wahl des Verkehrsmittels von uns überzeugen. Wer auf umweltfreundliches und komfortables Reisen Wert legt, war bisher schon gut bei uns aufgehoben. Mit den neuen schnellen Reisezeiten hoffen wir natürlich, noch mehr Reisende fürs Bahnfahren zu gewinnen. Zurücklehnen ist dennoch nicht angesagt: Nur mit konstant guter Reisequalität und Verlässlichkeit können wir Fahrgäste auch dauerhaft an uns binden.

Gibt es bereits Anfragen für Güterverkehr auf der Neubaustrecke Berlin-München?
Derzeit noch nicht, das kann sich aber schnell ändern. Im Güterverkehr werden die Züge ja in der Regel kurzfristiger geplant als beim Personenverkehr. Wir prüfen und planen bei jeder Transportanfrage unserer Kunden die bestmögliche Option, um die Güter in der gewünschten Zeit zum Zielort zu bringen. Dabei beziehen wir natürlich auch die Nutzung der Neubaustrecke mit ein.

Wie ist der aktuelle Stand des Ausbaus der Mitte-Deutschland-Verbindung und welche Chancen für eine durchgehende Elektrifizierung existieren?
Wir haben Ende letzten Jahres den Ausbau zwischen Paderborn und Chemnitz offiziell abgeschlossen und die Mitte-Deutschland-Verbindung mit ei-ner deutlich höheren Kapazität in Betrieb genommen. Aktuell erfolgen noch vereinzelte Restarbeiten. Die Elektrifizierung der Strecke Weimar-Gera- Gößnitz ist der nächste Schritt. Mit dem Bundesverkehrsministerium haben wir vereinbart, die Planungen schnellstmöglich zu starten. Mit einer durchgängigen Elektrifizierung wird sich die Anbindung zwischen Erfurt und Chemnitz deutlich verbessern. Perspektivisch kann Chemnitz dann auch an den ICE-Knoten Erfurt angebunden werden.

Wie stehen Sie zu den Wünschen von "Pro Bahn" nach ei-ner Reaktivierung der Werra bahn und einem Lückenschluss zwischen Eisfeld und Coburg?
Der Lückenschluss auf der Werrabahn zwischen Eisfeld und Coburg ist in der Region schon länger im Gespräch. Aktuell gibt es jedoch noch keine Entscheidung, wie die Maßnahme finanziert werden kann. Erst wenn darüber zwischen allen Beteiligten Klarheit herrscht, kann mit Planungen zur Wiederaufnahme der schon seit dem Zweiten Weltkrieg unterbrochenen Anbindung begonnen werden. Wir sind dazu weiterhin in regelmäßigen Gesprächen.

Sie unterstützen erneut das Erfurter Frauenschachfestival. Warum engagiert sich die Bahn für das Schach?
Unser Engagement steht ganz im Zeichen unserer aktuellenArbeitgeberkampagne: "Willkommen, Du passt zu uns!" Sie können davon ausgehen, dass unter den Schachspielerinnen viele helle Köpfe zu finden sind. Und an jungen, guten Talenten sind wir als einer der größten Arbeitgeber in Deutschland immer interessiert. Gerade Frauen wollen wir auf uns aufmerksam machen und für die DB gewinnen. Erfurt steht darüber hinaus als schnelle Mitte Deutschlands mit der Schnellfahrstrecke Berlin- München in diesem Jahr natürlich besonders in unserem Fokus.

Sie waren in Ihrer Jugend selbst ein starker Schachspieler. Was kann der Bahnchef vom Schachspieler lernen?
Konzentrationsfähigkeit, geistige Beweglichkeit, strategischer Weitblick und Kombinationsgabe gehören in den Werkzeugkoffer jedes Schachspielers. Hat man diese Fähigkeiten einmal gewonnen, helfen sie einem in allen Lebenslagen. Beim Schach habe ich vor allem zwei Dinge verinnerlicht: mit unvorhersehbaren Zügen souverän umzugehen und mit dem Gegenüber immer im Dialog zu bleiben.

Wenn Sie die Bilanz ihrer ersten 100 Tage als Bahnchef in einem Satz zusammenfassen müssten, dann hieße der
Wir sind gut unterwegs, weil wir mit besserer Qualität zunehmend mehr Kunden überzeugen - diesen Weg konsequent weiterzugehen, ist Ansporn und Ehrgeiz auch für die Zukunft.


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