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  Zwei spielstarke Frauen...
04.07.2014 von Klaus Steffan

Teilnehmerinnen des I. Internationalen Erfurter Frauenschachfestivals vorgestellt: Heute Bela Chotenaschwili und Tatjana Melamed

Cheforganisator Thomas Pähtz wird es mir nicht verübeln, dass ich erst einmal auf ein weiteres Highlight des I. Internationalen Erfurter Frauenschachfestivals hinweise. Neben dem Großmeister- und dem Juniorinnenturnier wird nämlich in der Landeshauptstadt des Freistaates Thüringen auch die Internationale Offene Deutsche Frauen-Einzelmeisterschaft ausgetragen. Das ehrgeizige Ziel von Thomas – ich kann das hier ruhig verraten – sind 50 Teilnehmerinnen. Gegenwärtig haben sich 30 namentlich angemeldet [ http://chess-results.com/tnr122505.aspx?lan=0 ], wobei die Setzliste von WGM Barbara Hund [SK Freiburg Zähringen] angeführt wird. Nach Erfurt reist die WGM nicht allein, denn bei den Juniorinnen wird ihre Tochter Sarah starten.

Dass der Vater von Deutschlands Nummer 1 Elisabeth Pähtz nichts dem Zufall überlassen will, zeigt auch sein persönlicher Einsatz. So war er kürzlich im Hessischen Braunfels zu den 36. Deutschen Meisterschaften der Landesverbände auf Werbetour, bei der er immerhin fast 120 Mädchen und Frauen ansprechen konnte. Übrigens kann man sich bequem online unter dem Link http://www.frauenschachfestival-erfurt.de/?path=content&contentid=12 anmelden. Erfurt ist, das kann ich aus eigenem Erleben sagen, nicht nur schachlich eine Reise wert. Also Mädels, enttäuscht mir den Thomas nicht, denn noch werden 20 von euch gesucht, und das sollte doch zu schaffen sein, oder?!

Doch nun zum Großmeisterturnier, wo das Teilnehmerinnenfeld komplett ist, nachdem als letzte Spielerin Ketewan Arakhamia-Grant verpflichten werden konnte. Dazu gehören auch jene beiden spielstarken Frauen, die wir heute vorstellen möchten.

Aus Georgien wird Bela Chotenaschwili anreisen. Dass in ihrem Heimatland vor allem das Frauenschach so stark ist – ich erinnere nur an die beiden Weltmeisterinnen Nona Gaprindaschwili, die als erste Dame den Großmeistertitel der Männer verliehen bekam, und ihre Nachfolgerin Maja Tschiburdanidse, die von 1978 bis 1991 die Schachkrone trug – hat auch mit einer wahren Legende zu tun. Es wird berichtet, dass zu den Geschenken, die ein Hochzeitpaar bekommt, in jedem Fall auch ein Schachspiel gehört. Ob das immer noch so ist, könnte uns Bela in Erfurt bestätigen. In jedem Fall zählt die 26-Jährige derzeit zu den Top-Spielerinnen in der Welt, wobei die Studentin an der Technischen Universität von Tiflis mit dem Sieg bei der Auftaktveranstaltung der dritten FIDE-Grand-Prix-Serie 2013/14 in Genf fraglos für Schlagzeilen in der Schachwelt gesorgt hat. Dass es beim gerade beendeten fünften Turnier im einheimischen Lopota mit 3/11 und Rang 11 nicht nach ihren Vorstellungen lief, wird bei ihr keine negative Spuren hinterlassen. In der Schlussrunde schlug Bela immerhin die Weltraglistendritte Humpy Koneru in einer schönen Angriffspartie, und da zeigte sie durchaus alte Stärke.
Das deutschen Trio in Erfurt wird von Tatjana Melamed komplettiert, die neben Elisabeth Pähtz und Ketino Kachiani-Gersinska versuchen kann, eine Großmeisternorm zu erreichen, die gegenwärtig bei 6,5 Punkten aus neun Partien liegen wird. Was bei der 40-jährigen WGM Klärungsbedarf hat, die seit 2002 in Deutschland Zuhause ist mit dem Lebensmittelpunkt Magdeburg, ist die Schreibweise ihres Vornamens. Sowohl bei der als auch dem Deutschen Schachbund wird sie unter Tetyana geführt. Wir haben uns für Tatjana entschieden, weil das wohl die richtige Transkription ist. Die Landestrainerin für Sachsen-Anhalt ist in jüngster Zeit eine feste Größe in der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. So ist es kein Wunder, dass Bundestrainer Dorian Rogozenco sie auch für die Schacholympiade in Tromsö nominiert hat. Was das Abschneiden in Norwegen angeht, so erklärte sie in einem Interview auf der DSB-Webseite: „Ich mache mir darüber keine Gedanken. Das ist, denke ich, das Beste. Ich hoffe, selbst gutes Schach zu spielen. Es müssen so viele Faktoren zusammen passen, damit ein guter Lauf gelingt.“ [Link: http://www.schachbund.de/news/interview-mit-der-olympionikin-tatjana-melamed.html ]. Auf jeden Fall wird sie mit tollen Eindrücken von dem Weltreffen der Schachnationen in der Stadt nördlich des Polarkreises zurück kommen. Darauf dürften sich nicht zuletzt ihr Schützling Josefine Heinemann freuen, die in Erfurt bekanntlich bei den Juniorinnen dabei ist...

[Redaktion Raymund Stolze]


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