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  Melameds giftiger Konter Spannende und ereignisreiche Auftaktrunde
25.08.2014 von Klaus Steffan

Tatjana Melamed war die gefeierte Heldin der 1. Runde im Großmeisterinnenturnier. Der deutschen Nationalspielerin glückte ein überzeugend vorgetragener Kontersieg gegen die favorisierte Shen Yang. Die Chinesin hatte sich mit Weiß eine leicht bessere Stellung erarbeitet, setzte im 27. Zug allerdings leichtfertig mit 27. Td7 fort. Ein Turm auf der siebenten Reihe – das ist eigentlich lehrbuchgemäß, doch fand dieser Turm keine Perspektive. Melamed nutzte den Fehler, um ihren Springer mit taktischen Drohungen ins Zentrum zu dirigieren. Mattdrohungen gegen den weißen König tauchten auf. Die Weiße musste die Qualität geben, verlor zusätzlich einige Bauern und gab nach 50 Zügen auf.
Einen sehenswerten Sieg feierte auch die Georgierin Lela Javakhishvili, die gegen den etwas gekünstelten Doppelfianchettoaufbau der Russin Anastasia Bodnaruk einen beherzten Angriff vortrug. Auch ihre topgesetzte Landsfrau Bela Khotneshvili setze sich nach langem Manövrieren gegen Monika Socko (Polen) durch.
Ganz zufrieden zeigte sich Elisabeth Pähtz mit dem Auftakt-Remis gegen Ketevan Arakhamia-Grant. Die Erfurterin hatte als Schwarze überraschend Spanisch gewählt, die Schottin verzichtete auf das prinzipielle c3 und lenkte die Partie mit 8.d3 in ruhigere Bahnen. Am Ende neutralisierten sich die Bemühungen.
Wesentlich spektakulär war das Remis zwischen Lilit Mkrtchian und Ketino Kachiani-Gersinska. Weiß ließ schon im fünften Zug das naheliegende e2-e4 aus und lud Schwarz nur einen Zug später zu einem Springeropfer auf g4 ein. Die Folge war ein schnelles Dauerschach, dem keine Seite ausweichen konnte. Weiß würde sonst matt werden, Schwarz hätte zuviel Material verspielt.
Als die Meisterinnen des A-Turniers schon alle fertig waren, saßen die Juniorinnen nahezu komplett noch am brett. Bemerkenswert: Im innerfamiliräen Duell der norwegischen Zwillinge Monika und Edit Machlik gab es kein erwartbares Salonremis, sondern einen harten Kampf auf Biegen oder Brechen. Am Ende gewann Edit, die vermeintlich Schwächere.
Ganz groß und als allerletzte aller Spielerinnen kämpfte auch Alina Zahn. Die Erfurterin, eine Schülerin von Großmeister Thomas Pähtz, führte ihre materiellen Vorteil mit Geduld und Geschick zum vollen Punkt gegen Teodora Rogoczenko - die Tochter des Bundestrainers.

24 Spielerinnen nahmen den Wettbewerb um die Internationale offene Deutsche Meisterschaft auf. Kurios: In der ersten Runde gab es kein einziges Remis, die jeweils Elostärkeren setzten sich durch.


Nachtrag zu Partie von GM Thomas Luther

(1) Shen,Yang (2470) - Tetyana Melamed (2364) [E94]
1st Erfurt Women 2014 - GM Erfurt (1), 25.08.2014
[Robot 4]

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Le2 0–0 6.Sf3 e5 7.0–0 exd4 8.Sxd4 c6 9.Kh1 Sbd7 10.Lg5 Da5 11.Lf4 Te8 12.f3 Se5 13.Dd2 a6 14.Tfd1 Le6 15.Sxe6 Txe6 16.Tac1 b5 17.cxb5 axb5 18.a3 Sfd7 19.Sa2 Dxd2 20.Txd2 Sb6 21.Lxe5 dxe5 22.Tdc2 Lh6 23.Td1 Lf8 24.g3 Sa4 25.Td7? [Diagramm



Erlaubt die Umgruppierung des schwarzen Springers.]

25...Sc5 26.Td1 Sb3 27.Lf1 Sd4 [Ein ideales Feld für den Springer. Den positionellen Vorteil verwertet die deutsche Nationalspielerin sicher.]

28.Tf2 Le7 29.Lh3 Td6 30.Sb4 Tad8 31.Kg2? [Erneut greift Weiß daneben. Schwarz kommt zu einer gewinnbringenden Kombination.]

31...Sc2 32.Txd6 Se3+ 33.Kg1 Txd6 34.Te2 Td1+ 35.Kf2 Lc5 [Nach dieser Gegenüberstellung gewinnt Schwarz Material. Die Partie ist entschieden!]

36.Txe3 Td2+ 37.Kf1 Lxe3 38.Sxc6 Tf2+ 39.Ke1 Txh2 40.Ld7 Lf2+ 41.Kf1 Lxg3 42.b4 Tf2+ 43.Kg1 Txf3 44.Se7+ Kf8 45.Sd5 Txa3 46.Lxb5 f5 47.Le2 Ta2 48.Lf3 Tb2 49.Lg2 fxe4 50.Lxe4 Le1


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