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Dienstag, 24. Oktober 2017
IEFSF 2017 » Kampfschach im Radisson - Pähtz siegt auch im zweiten Match
IEFSF 2017


01.08.2017 - 22:34 von Jonathan Carlstedt


Ein weiterer spannender und ereignisreicher Tag im Radisson Blu Hotel Erfurt beim 2. Erfurter Frauenschachfestival ist zu Ende. Alle Turniere sorgten bei den Zuschauern mal wieder für helle Freude. Eine Werbung wie man sie sich wünscht für unseren Sport.
Im Young Masters machte Sarah Hoolt relativ schnell gegen Karina Remis. In der Italienischen Partie hatte sich Sarah zwar wohl gefühlt, wollte aber nach dem 3/3 Start nichts riskieren und sich ein wenig Erholung gönnen, bevor es in 3 weitere fordernde Tage geht. Die erste Entscheidung des Nachmittags brachte der Sieg von Fiona Sieber gegen Teodora Rogozenco. In der grünfeldindischen Verteidigung kannte sich Teodora anscheinend eine ganze Weile sehr gut aus. Doch irgendwann, als Teodora aus der Theorie war, stellte Fiona ihr immer weitere Probleme. Die Engine sieht die Stellung zwar lange als ausgeglichen an, aber die praktischen Probleme waren bereits immens.
Auch Irina Bulmaga und Josefine Heinemann kämpften bis ins Endspiel in einer sehr dynamischen Stellung. Wobei es nicht ganz klar ist, ob die Definition eines Endspieles hier bereits zutrifft. Zwar war das Material sehr reduziert, die Könige allerdings mussten weiterhin Schutz hinter ihren bauern suchen. Trotzdem erreichte Irina das, was man in einem Endspiel gerne macht. Sie verwandelte auf der gegnerischen Grundreihe einen Bauern in eine Dame. Die junge Wahl-Mannheimerin hatte aber alles im Griff, denn nach der Umwandlung lieferte sie ein Dauerschach ab, das zur Punkteteilung führte.
Die Tabellenführerin Marina Brunello hatte mit den weißen Steinen gegen Filiz Osmanodja immer einen Vorteil aus der Eröffnung heraus. Filiz verteidigte jedoch ihre Stellung und als die Gesamtsituation unübersichtlich und laut Engine ausgeglichen war, konnten bereits die Hoffnung auf ein Comeback von Filiz entstehen.


Brunello - Osmanodja

Doch auf ein Mal spielte die italienische Psychologie-Studentin ein starkes Läuferopfer mittels Lxg5 und machte alle Träume über einen halben Punkt für Filiz zu Nichte.
Die letzte Partie im Young Masters war die Begegnung zwischen Jana Schneider und Atousa Pourkashiyan. Beide haben bisher starkes Schach gespielt, im Abschluss hatte es allerdings gemangelt. Diesmal ließ die Iranierin aber weder Jana eine Chance noch bei der Verwertung des Vorteils im Endspiel etwas zu Wünschen übrig.


Schneider - Atousa

Bereits im 15. Zug konnte sie mit dem zeitweiligen Figurenopfer Sf4 einen großen Vorteil erlangen die sie in der Folge zu ihrem ersten vollen Punkt ausbaute.
Im Womens Open scheinen die Damen einen Blick zum Young Masters geworfen zu haben. Nach vielen Remis an den vorderen Brettern in der Vormittagsrunde ging es nun heiß her. Denn es geht nicht nur um Ehre, Elopunkte und Pokale, sondern auch um eine ganze Menge Preisgeld. Die indische Nummer 1 ist dabei die einzige die noch 100% auf dem Konto hat. Subbaraman konnte in einer überzeugenden Partie die Nummer 1 aus Lettland Ilze Berzina schlagen und führt damit das 58 Spielerinnen umfassende Feld an. Dahinter scharren aber einige Spielerinnen mit 3,5 mit den Hufen und warten nur darauf, dass die Erstplatzierte einen schwachen Moment hat. Mitra Hejazipour konnte zum Beispiel Kristyna Havlikova aus Tschechien schlagen. Insgesamt waren die Letten in dieser Runde sehr stark an den vorderen Brettern vertreten, die Bilanz in dieser Runde ist jedoch eher ernüchtern, so musste auch Elizabete Limanovska Jovanka Rapport, der Ehefrau des Super-Gms Richard Rapport den Vortritt zum Verfolgerfeld lassen.
Aus Deutscher Sicht schade, war die Niederlage von Judith Fuchs gegen Mihaela Sandu mit den schwarzen Steinen. Doch es sind noch lange 5 Runden und die blendend gelaunte Zimmerkollegin Sarah Hoolt wird es verstehen ihre gute Freundin wieder auf den Siegespfad zu führen.
Zu guter Letzt schaffte auch Karolina Olsarova den Sprung zu den Spielerinnen, die bisher erst einen halben Punkt abgegeben haben.
Wenn einer der Männer hinter diesem Schachfestival nervös durch die Gänge des Radisson Hotels tigert, dann kann das mehrere Gründen haben. Es könnte zum Beispiel ein Fehler bei der Organisation des Turniers aufgetreten sein. Doch wie Spielerinnen aller Turniere bestätigen war dies bis jetzt nicht der Fall. Es könnte auch sein, dass er auf den Fahrstuhl wartet, der immer noch nicht im 17. Stock angekommen ist. Wenn man allerdings beim Erfurter Frauenschachfestival ist, dann ist klar, dass dieser Mann Thomas Pähtz ist, der sich noch nicht zu sehr über den anstehenden zweiten Sieg in Folge von seiner Tochter Elisabeth gegen die ehemalige Weltmeisterin Alexandra Kosteniuk freuen will, da wie wir alle wissen im Schach immer noch eine ganze Menge passieren kann, bis die Tinte auf dem Partieformular getrocknet ist. Doch wenige Minuten nachdem sich diese Szene abspielte, kam eine glückliche Elisabeth Pähtz durch die Tür des Organisationsbüros und nahm die Glückwünsche der versammelten Mannschaft entgegen. Nach einer heißen Partie in der italienischen Eröffnung, in der die Erfurterin einen Bauern opferte und dafür einen Monster-Springer auf e5 erhielt, entschied sich die Partie in der Zeitnot-Schlacht. Am Ende gewann die Spielerin, die wie man als Sportkommentator sagen würde „mehr für die Partie gemacht hat“, verdient und führt nun 2:0 gegen Alexandra. Aber die sympathische Russin wird sich natürlich nicht geschlagen geben und versuchen morgen im Schnellschach zu zeigen, dass ein 2:0-Rückstand noch nicht das Ende der Welt und vor allem nicht das Ende dieses Wettkampfes ist.
Die Zeit der klassischen Partien ist in diesem Kampf jetzt vorbei und morgen geht es daran, dass die beiden beweisen, was sie im Schnellschach drauf haben. Unbedingt ab morgen 10 Uhr einschalten, es wird spannen!
Wenn man durch die Flure des Turniers, des Hotels oder der Spielsäle läuft, bekommt man die tolle Atmosphäre mit, die bei diesem Turnier herrscht. Das liegt vor allem an den vielen tollen Teilnehmerinnen, die nach Erfurt gekommen sind und dieses Turnier zu etwas Besonderem machen, dafür möchten wir uns bei euch bedanken!

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IEFSF 2017 » Young Masters und Womens Open im Gleichschritt – jeweils zwei Spielerinnen ohne Punktverlust
IEFSF 2017


01.08.2017 - 15:18 von Klaus Steffan


Der zweite Tag bei den Young Masters und dem Womens Open im Erfurter Radisson Blu Hotel hielt alles was der erste Tag bereits als Versprechung andeutete. Kampfschach, Nervenkitzel und ganz großes Drama. Nachdem Marina Brunello zur Eröffnung der Runde den Preis für die Partie des Tages erhielt, wurden die mit Energy Drinks von Umweltgerechte Kraftanlagen (UKA) ausgestatteten Damen im Young Masters und Womens Open in die dritte Runde geschickt. Die Partien im 17. Stock mit großartigem Ausblick auf Erfurt legten los wie die Feuerwehr. In der Partie zwischen Karina und Irina konnte Schwarz schnell einen leichten Vorteil dank des Läuferpaars erreichen. Karina schien die Gefahr zu merken und beschränkte sich anschließend nur auf die Verteidigung und das mit Erfolg! Am Ende stand die Punkteteilung, auch wenn sich Karina mit den weißen Steinen sicherlich erhofft hätte ein wenig mehr Druck ausüben zu können. Im Duell der beiden Deutschen Meisterinnen Teodora Rogozenco in der u18 weiblich und Jana Schneider bei den Frauen insgesamt, behielt Jana die Oberhand. Zunächst konnte Jana gegen das Läuferpaar eine schöne weißfeldrige Blockade aufbauen. Diese begann jedoch nach einigen ungenauen Zügen zu bröckeln. Als Teodora sich bereits in Vorteil wähnte, kam der überraschende Einschlag auf d4 und die Partie war für Teodora verloren. 0 aus 3 sind für die junge Hamburgerin nicht die erhoffte Ausbeute, doch 6 weitere Runden laden dazu ein noch viele weitere Punkte zu sammeln.
Die Co-Führende Sarah Hoolt überraschte Filiz Osmanodja mit der französischen Verteidigung. Wie bereits in der ersten Runde griff Sarah am Damenflügel an. Alle Details der Partie könnt ihr in der Partieanalyse erfahren. Sarah konnte mit einem genialen Turmmanöver c8-c3-a3-a2 die Partie für sich entscheiden.
Deutlich gradliniger war der Sieg von Marina Brunello. Sie opferte bereits frühzeitig einen Bauer, bekam dafür jedoch hervorragendes Gegenspiel auf den schwarzen Feldern. Stück für Stück ohne zu überhasten ging sie gegen Fiona Siebers König vor und brachte ihn in Bedrängnis. Schlimmeres ließ sich irgendwann nur noch mit der Hergabe von Material verhindern, was letztendlich im vollen Punkt für Marina mündete.
Die letzte Partie im Young Masters war die Begegnung zwischen Atousa mit Schwarz und Josefine Heinemann. Josefine spielte fröhlich mit dem isolierten Bauer, bei vollem Brett und hatte immer einen leichten Vorteil bis es in ein, laut Engine, ausgeglichenes Endspiel ging. Doch dieses Endspiel war deutlich unangenehmer als es die trockene 0.00 Bewertung der Engine vermuten lässt. Mit einem gekonnte Bauernopfer zur weiteren Aktivierung des eigenen Königs erhöhte Josefine den Druck, dem Atousa letztendlich nicht standhalten konnte. Damit holt Josefine ihre erste 1, während Atousa weiter auf ihren ersten Sieg wartet.
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Dass im Womens Open nun langsam die Favoritinnen gegeneinander spielen, sieht man daran, dass 4 der ersten 5 Bretter Remis ausgingen. An Brett 1 gab es jedoch eine Entscheidung. Subbaraman Vijayalakshmi gewann gegen die junge Georgierin Nini Khomeriki. Zwar behandelte Nino die Partie in der Eröffnungsphase deutlich besser, doch im weiteren Verlauf übernahm die ehemalige indische Nummer 1 die Kontrolle über die Stellung und führte die Partie gekonnt zum Sieg. Ein weitere Spielerin mit 100 %, also 3 aus 3, ist Ilze Berzina. Die in Riga arbeitende Rechtsanwältin und Nummer 1 der lettischen Rangliste konnte die letzte Deutsche Spielerin mit 100% Lena Mader in die Knie zwingen. Die Partie war aber wahrlich nicht einseitig, zunächst konnte sich Lena einen klaren Vorteil erarbeiten, doch Ilze blieb geduldig, übernahm im richtigen Moment die Geschicke der Partie und überspielte ihre Gegnerin. Den Club 100% machte fast unsere Schachfreundin aus dem Iran komplett. In einem Endspiel mit 2 Läufern und 2 Bauern gegen Springer und 4 Bauern musste Mitra Hejazipour viel Technik gegen die zähe Verteidigung der Tschechin Karolina Orlsarova beweisen. Sie versuchte alles, aber am Ende musste die junge Iranerin nach langem Kampf ins Remis einwilligen.

Um 16 Uhr geht es also direkt zur 4. Runde des Young Masters und des Womens Open. Alexandra Kosteniuk schaute bereits heute morgen im Turniersaal des Open vorbei um ihre Tochter zum Spielsaal zu bringen. Auf die Frage, ob sie gut geschlafen hätte und bereits sei für den Kampf am ein optimistisch lächeln, wir können uns also nicht nur auf eine großartige vierte Runde bei den beiden Hauptturnieren freuen, sondern auch auf eine angriffslustige Alexandra in ihrem Match gegen die Führende Elisabeth Pähtz.

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